Franz von Sales – Stationen seines Lebens

Herkunft und Familie

Am 21. August 1567 wurde Franz von Sales als erster Sohn einer Landadelsfamilie auf Schloss Sales bei Annecy (Savoyen) geboren. Seine Mutter war erst 14 Jahre alt bei seiner Geburt. Ihr Verhältnis zu ihrem Erstgeborenen war sehr innig. Franz muss sich bei ihr sehr geborgen und geliebt gefühlt haben. Sie war sehr fromm und nahm ihn schon als kleines Kind mit in die Kirche.

Der kleine Francois erstaunte seine Umgebung mit einem seiner ersten vollständigen Sätze: „Der liebe Gott und meine Mutter haben mich sehr lieb.“ An diesem kleinen Satz zeigt sich ein zentraler Aspekt von Franz von Sales: die Liebe. Geliebt zu werden und selbst zu lieben, das trug sein Leben.

Im Jahr 1678 schickten ihn seine Eltern schon früh – mit elf Jahren – nach Paris, damit er dort eine sehr gute, standesgemäße Ausbildung im Kolleg von Clermont bei den Jesuiten bekomme.

Er kehrte erst im Jahre 1588 nach 10 Jahren als junger Mann nach Hause zurück, wo er seinen jüngeren Geschwistern zum ersten Mal persönlich begegnete. Doch schnell gewann er ihr Vertrauen und ihre Zuneigung. Zeit seines Lebens war er seinen Geschwistern liebevoll zugetan und pflegte eine enge Beziehung zu ihnen. Als ältester Bruder war er für sie da, wann immer sie seiner Unterstützung bedürften.

Lebenskrise in Paris

Zusätzlich zu seiner Ausbildung bei den Jesuiten studierte er an der Sorbonne Theologie. Seine Sehnsucht nach einer tieferen Beschäftigung mit dem Glauben war so stark, dass er dies dem strengen Vater verheimlichte, der seine Erlaubnis dazu nicht gegeben hätte. Dort kam er auch in Kontakt mit der Lehre Calvins von der Vorherbestimmung des Menschen (Prädestination), die ausführlich an der Universität dargelegt wurde. Ihr Kernsatz lautete: „Einige sind vorherbestimmt zum ewigen Leben, andere zur ewigen Verdammnis.“ Sein ganzes bisheriges Gottvertrauen fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen und er war überzeugt,  er sei zur Hölle vorherbestimmt. Er duchlebte eine der größten Krisen seines Lebens und war wochenlang in tiefster Verzweiflung.

Bei einem Gebet zu Maria Mitte Januar 1687 wurden ihm Erlösung von dieser Angst und ein tiefer Friede geschenkt. Er ließ sich völlig in die Hände Gottes fallen. Egal, was Gott vorherbestimmt hat, alles, was Gott will, ist gut, denn Gott ist die Liebe. Sein Wille kann nichts anderes als Liebe sein. Von der Errettung aus dieser Krise rührt seine absolute Hingabe an Gott, an seine Liebe, an seinen Willen. Diese existentielle Erfahrung ist die Basis für das Verständnis von Franz von Sales. Dadurch fühlte er sich zu einem ganz anderen Leben berufen, das ausschließlich dem Dienst Gottes geweiht sein sollte.

Hindernisreicher Weg zum Priester

1588 kehrte er in sein Elternhaus zurück.Wie die ältesten Söhne aller adligen Familien war auch er für eine militärische Laufbahn vorgesehen. Er verspürte jedoch keine Berufung dafür, sondern eher für eine Verwaltungslaufbahn. Dem Vater zuliebe studierte er zunächst Rechtswissenschaft in Padua (1588 – 1991) und zusätzlich aus persönlicher Neigung Theologie. Auch dies verheimlichte er dem Vater. Das können wir heute vielleicht nicht ganz nachvollziehen.

Gehorsam allen Autoritäten gegenüber war selbstverständlich und Ungehorsam konnte schwere Konsequenzen auf jeder Ebene nach sich ziehen – bis zum Verlust der materiellen Lebensgrundlagen und der familiären Bande. Franz von Sales fürchtete seinen Vater und die unantastbare Autorität der Eltern und gleichzeitig liebte er sie und wollte sie daher auch nicht enttäuschen und kränken. So schob er eine Klärung immer wieder auf und geriet nach seiner Rückkehr aus Padua in heftige Gewissenskonflikte: Seine Eltern hatten nicht nur für ihn eine Braut ausgesucht, sondern hatten für ihn auch hochfliegende berufliche Pläne. Er fühlte sich jedoch zum Amt des Priesters berufen.

Es war ein schwieriger Weg voller innerer und äußerer Konflikte, bis er 1593 zum Priester geweiht wurde.

Missionar mit moderner PR

1594 bekam der erst vor einem Jahr zum Priester geweihte Franz von Sales von seinem Bischof den Auftrag, die Bewohner des Chablais südlich des Genfer Sees, die zum Calvinismus übergetreten waren, für den katholischen Glauben zurückzugewinnen. Unter Lebensgefahr besuchte er das Gebiet und predigte zum Teil in fast leeren Kirchen. Um seine Botschaft zu verbreiten, bediente er sich der damals neuen journalistischen Möglichkeit, Flugblätter zu verwenden. Er heftete sie u.a. an Bäume. Charakteristisch für seine Flugblätter war eine akribische Genauigkeit der Recherche sowie ein hohes Maß an Objektivität.

Franz von Sales verfügte nicht nur über ein fundiertes Wissen der katholischen Lehre. Er hatte ebenso ausgezeichnete Kenntnisse über die Lehren Calvins, Zwinglis und Luthers. Dies befähigte ihn, die neuen Lehren überzeugend zu widerlegen. Seinen Gegnern begegnete er stets mit Achtung und bezeichnete sie nicht selten als seine „Brüder”.

Franz von Sales suchte zu ergründen, was im Calvinismus die Menschen anzog. So hätte er schon damals die Liturgie gerne in der jeweiligen Landessprache gefeiert. Darin war er seiner Zeit weit voraus, denn einige seiner Ideen wurden erst im 2. Vatikanischen Konzil, also 340 Jahre später, verwirklicht. Im Gefolge des Konzils von Trient (1545 ‑ 1563) pflegte er besonders die Katechese für Kinder und über sie die für die Eltern.

Der bescheidene Bischof von Genf

Nach den Religionskriegen 1562 ‑ 1598 hatte Frankreich einen religiösen Tiefstand erreicht. Dreiviertel der Pfarreien hatten keinen Pfarrer, fast die Hälfte der Diözesen keinen Bischof. Das religiöse Leben hatte sich in die Klöster zurückgezogen, in denen ebenfalls nicht alles zum Besten bestellt war. Immer wieder kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Reformation und der katholischen Kirche. Überfälle und Brandschatzungen waren an der Tageordnung.

In dieser noch angespannten Lage wurde Franz von Sales im Jahre 1602 zum Bischof von Genf ernannt. Sein Bischofssitz war allerdings in Annecy, da Genf der Mittelpunkt der Calvinischen Reformation war. Genf hat er nie offiziell als Bischof betreten. Seine Aufgabe als Priester und Bischof in dieser protestantischen Umgebung war äußerst schwierig.

Seine Bescheidenheit war für einen Bischof – besonders in der damaligen Zeit – sehr ungewöhnlich. Er ging bis an seine körperlichen Grenzen – und darüber hinaus – um die Menschen in seinem Bistum zu besuchen. So schrieb ein Freund, der ihn auf einer solchen Visitaionsreise begleitete: „… als wir im Dorf ankamen waren die Schuhe des Bischofs voller Blut, dennoch hatte er seinen Weg nicht abgebrochen…“ Das war am 4. August 1606 und Franz von Sales war wieder einmal unter Lebensgefahr und ohne Ankündigung in eines der entlegensten Bergdörfer seiner Diözese unterwegs.

Franz von Sales wollte nicht anders behandelt werden als jeder andere Gast, deshalb gab es bei ihm keine Vorankündigungen. Immer sah man ihn fröhlich und zufrieden, wenn der Empfang einfach und bescheiden war. Er wollte zeigen, dass das Evangelium keine Droh- sondern eine Froh-Botschaft ist. Seine Gläubigen nahmen ihm diese Begeisterung auch ab, weil sie ehrlich war und seinen Worten Taten folgten:

Er schlief in den Dörfern, wie das Volk auch, auf der harten Erde. In Annecy hatten seine Mitarbeiter strengste Anweisung, niemanden abzuweisen. Jeder hatte jederzeit Zutritt zu ihm, ob er gerade aß oder schlief. Er verkaufte sogar sein Silbergeschirr, um in einer Notlage zu helfen, gab Almosen und schlichtete Streit. Vor seinem Beichtstuhl bildeten sich lange Schlangen, denn seine Güte tröstete und befreite die Menschen.

Für die damalige Zeit war so ein Bischof eine riesige Sensation.

Schicksalhafte Begegnung und ein innovatives Projekt

Im Jahre 1604 begegnete Franz von Sales zum ersten Mal Franziska Johanna von Chantal anlässlich einer Fastenpredigt in Dijon. Sie war Mutter von sechs Kindern und hatte ihren Mann, den sie sehr liebte, durch einen tragischen Jagdunfall verloren. In tiefer Verzweiflung hatte sie sich geschworen, nie mehr zu heiraten. Sie war tiefgläubig und hatte sich einem Priester als „Seelenführer“ anvertraut, um diese Lebenskrise zu überwinden.

Die beiden spürten direkt eine gegenseitige Anziehung. Es folgten weitere Begegnungen, bis er schließlich ihr „Seelenführer“ wurde. Daraus sollte eine lebenslange geistliche Freundschaft entstehen. Gemeinsam entwickelten sie mit großer Sorgfalt jahrelang die Konzeption für einen neuen Orden, den sie gründen wollten.

1610 war es dann so weit: gemeinsam mit Johanna Franziska von Chantal gründete er in Annecy den „Orden von der Heimsuchung Mariä” (Salesianerinnen), dessen geistliche Leitung er bis zu seinem Tode inne hatte.

Der Name Orden von der Heimsuchung Mariens rührt von dem im Lukasevangelium beschriebenen Besuch der mit Jesus Christus schwangeren Gottesmutter bei ihrer Cousine Elisabeth her, der Bibelgeschichte „Mariä Heimsuchung“.

Dieser Orden ist ein beschaulicher Orden mit Klausur. Das heißt, die Nonnen verlassen das Kloster nicht. Persönliches Gebet und Chorgebet gehören zu Ihren wichtigsten Aufgaben.

So hatten Franz von Sales und Johanna von Chantal allerdings den Orden nicht geplant. Sie wollten mit diesem Namen die aktive Tätigkeit des neuen Ordens ausdrücken: Heimsuchungsschwestern sollten Arme, Kranke und Bedürftige daheim aufsuchen, um sie zu unterstützen. Quelle für dieses karitative Tun sollte das Gebet sein – die Gottesliebe sollte durch und in der Nächstenliebe sichtbar werden.

Als jedoch im Jahr 1615 in Lyon ein zweites Heimsuchungskloster gegründet werden sollte, wurde dieses Konzept vom zuständigen Erzbischof abgelehnt, weil er sich nicht mit einem karitativ tätigen Frauenorden – damals eine völlige Novität – abfinden konnte. Die Heimsuchungsschwestern und ihre Gründerpersönlichkeiten beugten sich dem Entscheid des Bischofs, und so wurde die Kongregation in einen kontemplativen, d.h. beschaulichen Orden umgewandelt, der im Jahr 1618 von Papst Paul V. die päpstliche Anerkennung erhielt.

Sterben und Tod

Franz von Sales starb am 28. Dezember 1622 in Lyon. „Schon in aller Frühe machte das Gerücht vom sterbenden Bischof in der Stadt die Runde. Fast unmittelbar erwachte die schlummernde Verehrung für diesen besonderen Menschen. In den Kirchen wurde für ihn gebetet. …Es war eine lange Reihe von Besuchern…Ab und zu drohte er in Ohnmacht zu fallen. Die Ärzte in der damaligen Zeit meinten, dies sei gefährlich und versuchten, die Patienten mit allen Mitteln bei Bewusstsein zu halten…. sie setzten ihn auf einen Stuhl und hielten glühende Nadeln an seinen Nacken, die Tränen liefen ihm übers Gesicht und er sagte immer wieder: „Jesus, Maria“. Seine letzten Worte waren: „Es ist spät, der Tag geht zur Neige… Jesus, Maria.“   Nach zwei Stunden starb er. ( Dirk Koster, S. 264, s. Literaturliste)

Als sein Leichnam nach Annecy überführt wurde, liefen viele Menschen herbei. „Alle Bewohner der Stadt säumten die Straßen, auf denen ihr geliebter Bischof zur Kathedrale geführt wurde, wo sein Leichnam aufgebahrt wurde. Zwei Tage lang defilierte eine große Menschenmenge bewegt und weinend an der Bahre ihres geliebten Freundes und Vaters vorbei… Am 29. Januar wurde in der überfüllten Kathedrale ein feierliches Requiem gehalten.“  (Dirk Koster, S. 268) Heute steht sein Sarg zusammen mit dem von Franziska von Chantal vor dem Altarraum des Heimsuchungsklosters.

Für Franziska von Chantal war der plötzliche Tod von Franz von Sales ein schwerer Schlag. Man hatte ihn ihr ein paar Tage verheimlicht aus Sorge um sie. Der geistliche Austausch zwischen beiden war jahrelang sehr intensiv gewesen. Mit niemandem war sie enger verbunden. Franz von Sales war ihr Begleiter, Ratgeber und Gesprächspartner gwesen. Nun stand sie allein mit allen drängenden Fragen, die den noch jungen Orden und seine Ausbreitung betrafen. Doch Dank ihrer gefestigten Persönlichkeit, ihres großen Organsiationstalentes und ihrer Hingabe gelang es ihr, viele weitere Klöster zu gründen: Beim Tode von Franz von Sales gab es 13 Klöster – bis zu ihrem Tod im Jahre 1641 hatte sie weitere 74 Klöster in Frankreich gegründet.

Kirchliche Ehrungen nach seinem Tod

Schon bald nach seinem Tod im Jahre 1661 wurde Franz von Sales seliggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben .

Im Jahr 1665 folgte die Heiligsprechung

1923 wurde er von Papst Pius XI. zum Patron der Schriftsteller und Journalisten ernannt

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Gemälde von Lia Laimböck

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Künstlerin Lia Laimböck dafür, dass wir ihr wunderschönes Gemälde auf unserer Website nutzen dürfen! Hier sehen Sie einen Ausschnitt daraus.

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