Weg der kleinen Schritte

So lautet auch ein Buch von Herbert Winklehner „Weg der kleinen Schritte“ mit dem Untertitel: „Salesianisches Tugend-ABC“.

„Für Franz von Sales beginnt und endet alle Frömmigkeit mit der Praxis, mit dem alltäglichen Versuch, unter den Augen Gottes menschlich und christlich zu leben.“ (Ingeborg Klimmer,S. 9 aus „Franz von Sales. Feuer und Tau“)

Das ist nicht leicht – trotz allen guten Willens und aller guten Vorsätze. Das hat sicher jeder von uns schon erlebt. Und gerade bei der Umsetzung in die tägliche Glaubenspraxis hilft uns Franz von Sales. Darin ist er ein Meister, der mit viel Liebe, unglaublich guter Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen viele Menschen auf ihrem Glaubensweg begleitet hat– als „Seelenführer“ wie man das damals nannte. Dazu schrieb er zahlreiche Briefe – meist nachts nach seinen aufreibenden Aufgaben als Bischof.

Eine kleine Kostprobe aus seinen Briefen an Madame Fléchère möchten wir Ihnen hier geben. Sie war eine der bedeutendsten „Töchter“ des Franz von Sales, der er die meisten Briefe geschrieben hat – abgesehen von Johanna von Chantal.

„Begnügen Sie sich damit, von Zeit zu Zeit irgendeinen kleinen Sieg über Ihre Leidenschaften zu erringen. Man muss die anderen, aber in erster Linie sich selbst ertragen, und es geduldig annehmen, dass man unvollkommen ist…. Vor allem, meine Tochter, verlieren Sie nicht den Mut, haben Sie Geduld, lernen Sie warten! Bemühen Sie sich um den Geist des Mitfühlens.“

(XIV, 1-3 (444), Annecy, 8. April 1608)

„Sie haben Geduld nötig… Bereiten Sie sich jeden Morgen darauf vor, indem Sie einen Punkt Ihrer Betrachtung darauf besonders beziehen…. Verlassen Sie sich nicht darauf, in Ihren Angelegenheiten durch Ihre Geschicklichkeit Erfolg zu haben, sondern nur durch den Beistand Gottes; vertrauen Sie sich ganz seiner Sorge an und glauben Sie, dass er das tun wird, was das Beste für Sie ist, vorausgesetzt, dass Sie sich Ihrerseits eines ruhigen Eifers bedienen. Ich sage, eines ruhigen Eifers, denn ein gewalttätiger Eifer verdirbt das Herz und die Dinge und ist kein Eifer mehr, sondern Ungestüm und Verwirrung.“

(XIV, 21-23 (455), Annecy, 19. Mai 1608)

„Folgende zwei Dinge müssen wir miteinander verbinden: einerseits eine äußerst große Liebe zum Guten und Genauigkeit in unseren Gebets- und Tugendübungen, andererseits aber uns in keiner Weise verwirren und beunruhigen zu lassen, wenn uns dabei Fehler unterlaufen.“

(XIV, 26-27 (458), Annecy, 28. Mai 1608)

Wie ein roter Faden sieht sich durch seine Ratschläge: Geduld mit sich selbst, mit Rückschlägen und mit den Mitmenschen, Vertrauen auf Gottes Beistand und Führung und Mut, immer wieder neu zu beginnen .

Franz von Sales wird nicht müde, die Ratsuchenden zu ermutigen, sich nicht zu viel vorzunehmen, sich nicht zu überfordern: die Maßhaltung ist eine der wichtigsten Tugenden bei Franz von Sales. Trotz wiederkehrender Empfehlungen begleitet er jeden Glaubenden ganz individuell: den einen spornt er an, den anderen ermahnt er zur Mäßigung – je nach Veranlagung und Lebenslage.

Von diesem Schatz profitieren wir trotz des zeitlichen Abstands auch heute.

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