Franz von Sales Bischof, Ordensgründer, Mystiker, Kirchenlehrer

Franz von Sales – Persönliche Stärken

Prediger und Beichtvater

Franz von Sales war ein begnadeter Prediger und Beichtvater.

Seine Predigten genossen einen legendären Ruf und man “riss” sich darum, ihn als Fastenprediger zu gewinnen. Bis nach Lyon reiste Franz von Sales zum Beispiel, um dort diesen Einladungen nachzukommen. Eine solche Strecke über 200 Kilometer war damals äußerst beschwerlich und strapaziös.

Vor seinem Beichtstuhl in Annecy bildeten sich lange Schlangen, denn er war als gütiger Beichtvater gefragt. Er hatte seinen Beichtstuhl ganz in die Nähe des Eingangs verlegen lassen, um die Hürde für die Beichtenden möglichst gering zu halten.

Franz von Sales hat etwa 20 000 Briefe geschrieben – zum großen Teil an Menschen, die bei ihm Rat für ihr Glaubensleben suchten.

Gabe der geistlichen Führung

Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten und zu führen, ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Tiefe des eigenen Glaubens, Erfahrungen mit Irrwegen und Fallstricken und viel Fingerspitzengefühl gehören dazu – und ganz viel Liebe. Johanna von Chantal bezeugt, was für ein „be-gabter“ Begleiter Franz von Sales war. Als sie gebeten wurde,  für eine Biographie etwas über Franz von Sales zu schreiben, schrieb sie u.a

„Das Licht klarer Erkenntnis war ihm überhaupt nicht nur für seine eigene Person gegeben, sondern jeder merkte und wusste, dass Gott ihm eine besondere Gabe geistlicher Führung verliehen hatte, eine mehr als menschliche Fähigkeit, andere zu leiten. Er erkannte das Innerste der Herzen und sah klar, wie es mit den Menschen stand und welche Antriebe sie beherrschten. Seine Liebe zu ihnen fand nicht ihresgleichen.

Es machte ihn glücklich, anderen auf ihrem Weg zu helfen, er war unermüdlich, bis er jedem den Frieden gegeben und das Gewissen wieder auf Gott gerichtet hatte. Was tat er nicht alles für bußfertige Sünder, die noch schwach waren! Er machte sich ihnen gleich, weinte mit ihnen über ihre Sünden, sein Herz wurde so innig eins mit den Sündern, dass niemand imstande war, ihm irgendetwas zu verbergen. Soweit ich es beurteilen kann, war die Sorge für das Heil anderer Menschen die Haltung, die unseren seligen Vater zutiefst bestimmte…

Aber auch Folgendes ist wichtig: selbst seine Liebe zu den Menschen war von Gott her geordnet; er liebte jeden einzelnen (und es waren unzählige!) voll und ganz und doch keinen wie den anderen, sondern jeden mit der Liebe, die gerade ihm zukam…. Er sah im Nächsten Gott selbst und sah den Nächsten in Gott, darum empfand er eine unvergleichliche Ehrfrucht vor jedem Menschen.“  (Ingeborg Klimmer: „Franz von Sales. Feuer und Tau – Führung der Seele“ S. 116 ff)

Schriftsteller und Journalist

Das Gesamtwerk seiner Schriften umfasst 24 Bände, die deutsche Ausgabe 12 Bände. In Literaturlexika wird das literarische Gesamtwerk des heiligen Franz von Sales als „Klassiker der französischen Sprache” bezeichnet.

Sein Hauptwerk ist die “Abhandlung über die Gottesliebe (Theotimus). Aus den vielen Briefen an ratsuchende Laien, denen er Antwort auf ihre Fragen gab und Ratschläge, wie sie auch als Laien in der Welt ein “frommes Leben” führen können  ist auch sein bekanntestes Buch entstanden: “Philothea – Anleitung zum frommen Leben”.

Dieser Titel mag manche Menschen heute vielleicht zunächst eher befremden als dass er Interesse weckt. Dabei geht es Franz von Sales in keiner Weise um eine frömmelnde, enge Glaubenspraxis. Das schreibt er selbst über die Frömmigkeit: “Die wahre und lebendige Frömmigkeit setzt die Gottesliebe voraus; ja sie ist nichts anders als wahre Gottesliebe….sie ist … Gewandtheit und Lebendigkeit im geistlichen Leben.” ( S. 34, Erster Teil, 1. Kap. “Philothea…)

Zu seiner Zeit war das Hauptanliegen des Buches revolutionär, denn Franz von Sales lehnte die damalige Auffassung ab, dass nur Priester und Ordensleute ein frommes und gottgefälliges Leben führen können. Er war zutiefst davon überzeugt, dass jeder Gläubige nicht nur dazu berufen, sondern dazu auch imstande ist.

Es wird oft angenommen, dass sich seine am Evangelium ausgerichtete Spiritualität nur an Frauen wendet. In Wirklichkeit spricht der Bischof von Genf jeden Menschen an, der auf Gott zugehen möchte: „… den Künstler, den Diener, den Fürsten, die Witwe oder die verheiratete Frau…” (Philothea 1, 3).

Diese „allgemeine Berufung zur Heiligkeit” ist das große Anliegen von Franz von Sales. Er wird nicht müde, daran zu erinnern, dass es unabdingbare Verpflichtung aller Christen ist, nach der ihren Lebensumständen gemäßen Heiligkeit zu streben. „Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist” (Mt 5,48).

In der “Philothea” zeigt er den Lesern und Leserinnen viele Wege und Mittel auf, wie sie ihren Glauben im Alltag – egal was dort ihre Aufgabe ist- leben können. Manche Kapitel muten uns heute fremd an und sind in den Vorstellungen seiner Zeit verhaftet (zum Beispiel die Vorstellungen über die Hölle). Aber der überwiegende Teil ist bis heute ein kostbarer Schatz, weil Franz von Sales ein feiner Kenner der menschlichen Psyche war und es verstand, nützliche und umsetzbare Empfehlungen zu geben, die bis heute ihre Gültigkeit behalten bewahrt haben.

Mehr zum hl. Franz von Sales

Franz von Sales übte eine große Anziehungskraft auf Menschen aus. Von großer innerer Freiheit getragen und aus einer Perspektive des Glaubens heraus konnte er in allen Ereignissen das Konstruktive zu sehen und so Hoffnung und Gottvertrauen verbreiten.

 

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